Die besten Restaurants in Breslau 2026
Breslau hat 2025 sein Michelin-Debüt gefeiert — 22 Restaurants auf einen Schlag, drei davon mit Bib Gourmand. Das war für die meisten Deutschen eine Überraschung. Für mich nicht. Ich esse hier seit anderthalb Jahren und hab schon vorher gewusst, dass diese Stadt unterschätzt wird.
Das hier ist kein Ranking nach Google-Sternen. Es sind die Restaurants, in die ich wirklich gehe — manche wöchentlich, manche zu besonderen Anlässen, alle persönlich getestet. Ich habe Favoriten und ich schreibe mehr über sie. So ist das.
Pijalni Wino & Bistro
Mein Stammrestaurant. Der Ort, den ich jedem zeige, der Breslau besucht. Wenn Freunde aus Köln kommen, reserviere ich hier, bevor sie den Flug gebucht haben.
Koch Tomek Wencek hat bei einem Michelin-Stern in Barcelona (Coure) gelernt, war Küchenchef der dinette (Breslaus bekanntestes Restaurant, #54 von über 1.000), und hat dann sein eigenes Ding gemacht: Kleine Teller, offenes Feuer, saisonale Produkte, keine Karte länger als eine Seite. Jede Woche anders. Letzten Oktober hatte er ein Gericht mit geröstetem Kürbis und Ziegenkäse, das so einfach war und so verdammt gut, dass ich drei Tage später wiederkam.
Und dann die Weinkarte. Über 50 Naturweine offen, aus dem Coravin. Das heißt: Ihr bestellt ein Glas von einem Wein, der normalerweise nur als Flasche geht. Ein 2021er aus dem südlichen Rhône-Tal, von einem Produzenten, den ich in Köln nie gesehen habe — 35 PLN das Glas, knapp acht Euro. Die Karte ändert sich ständig, weil Tomek und sein Team neue Produzenten ausprobieren. Polnische Weine? Ja, auch. Ich habe hier zum ersten Mal einen niederschlesischen Wein getrunken und war ehrlich überrascht.
Die Atmosphäre: minimalistisch, kein Schnickschnack, Holztische, offene Küche. Sneakers sind willkommen, Reservierung ist Pflicht — besonders am Wochenende.
BABA
BABA ist klein — vielleicht 30 Plätze. Küchenchefin Beata Śniechowska hat MasterChef Polen gewonnen und dann das gemacht, was clevere Leute nach Reality-TV machen: was Eigenes aufgebaut. Ihr Konzept: „Tribute to Polish Homes" — polnische Hausmannskost, modernisiert, aber ohne die Seele rauszuoptimieren.
Der Hackbraten, den sie „Tribute" nennt — moderner Klops mit einem Twist — ist so ein Gericht, nach dem ich in Köln vergeblich suchen würde. Nicht weil er kompliziert ist, sondern weil er genau die richtige Balance trifft zwischen Omas Rezept und moderner Technik. Bib Gourmand seit 2025, verdient.
Reservierung dringend empfohlen. Nożownicza ist eine kleine Gasse hinter dem Rynek — leicht zu übersehen, schwer zu vergessen.
dinette
Breslaus Institution. Seit Jahren unter den Top 100 in Polen, 50er-Jahre-Design (schwarzer Marmor, helles Holz, malachitgrüne Glaswände), saisonal, zuverlässig. Hier hat Tomek Wencek als Küchenchef gearbeitet, bevor er Pijalni gegründet hat — das sagt etwas über das Niveau.
Ich gehe zu besonderen Anlässen hin. Es ist nicht mein Donnerstagabend-Spot, aber wenn es ein Geburtstagsessen sein soll, das elegant ist, ohne steif zu sein, ist dinette die Antwort.
IDA Kuchnia i Wino
IDA macht schlesische Küche modern — und das in einem Raum aus Sichtbeton, Backstein und Holz, der aussieht wie ein Berliner Loft, aber besser riecht. Modernisierte Kopytka (kleine Kartoffelklöße), Pierogi mit Fillings, die sich saisonal ändern, dazu eine solide Weinkarte.
4,8 Sterne bei über 1.500 Google-Bewertungen. Bib Gourmand 2025. Und: Sitzt im Hotel Jazz, was erstmal nach Touristenfalle klingt, aber genau das Gegenteil ist. Die meisten Gäste sind Breslauer.
Nafta Neo Bistro
Nafta sitzt in einer ehemaligen Sargfabrik. Echt jetzt. Krakowska 180 ist Industriegebiet, ihr braucht ein Taxi, und wenn ihr ankommt, denkt ihr kurz, ihr seid falsch. Seid ihr nicht.
Zwei Räume: rotes Backstein-Vintage mit offener Küche und ein Wintergarten, durch den ein Baum wächst. Fragt nach dem Wintergarten. Die Küche ist rustikal-mediterran — Thunfisch-Tartar, Schweinebauch, gebackener Blumenkohl — und die Portionen sind ehrlich. Kein Fine-Dining-Miniaturismus.
Michelin Recommended 2025. TripAdvisor 4,5 bei über 1.500 Bewertungen. Und: weiter weg vom Zentrum heißt weniger Touristen und mehr Platz.
Między Mostami
„Między Mostami" heißt „Zwischen den Brücken", und genau da liegt es: auf einer Insel in der Oder, zwischen der Pomorski- und der Universitätsbrücke. Die Lage ist grandios, besonders abends, wenn die Brücken beleuchtet sind und das Wasser reflektiert.
Küchenchef Łukasz Budzik macht mutige Geschmackskombinationen — nicht wild, aber überraschend. Die Weinkarte ist gut, inklusive alkoholfreier Pairings. Im Hinterzimmer gibt es „Most" — ein separater Raum mit eigenem saisonalen Tasting-Menü. Intensiv intim. Für besondere Anlässe oder wenn ihr einfach mal einen Abend mit null Entscheidungen wollt.
Kurz erwähnt
TARASOWA (Wystawowa 1, Bib Gourmand) — Terrasse mit Blick auf den Multimedia-Brunnen. Lokale Produkte, Złotnicka-Schwein, Forellenrogen aus Zielenica. Gut, aber weit vom Zentrum. Kombination mit Jahrhunderthalle lohnt sich.
Konspira (Przejście Garncarskie 2) — Die Kommunismus-Themen-Kneipe. Riesige Portionen, berühmter Żurek, immer voll. Ich schick euch nicht gezielt hin, aber wenn ihr in der Gasse steht und Hunger habt: 18–45 PLN für ein Essen. Punkt.
Was kostet essen gehen in Breslau?
| Kategorie | PLN | EUR |
|---|---|---|
| Milchbar (volle Mahlzeit) | 15–30 | 3,50–7 |
| Straßenessen (Zapiekanka, Pierogi) | 10–40 | 2,30–9 |
| Hauptgericht (traditionell) | 35–55 | 8–13 |
| Hauptgericht (Michelin Recommended) | 60–120 | 14–28 |
| Fine Dining Tasting | 180–350 | 42–82 |
| Glas Naturwein | 25–55 | 6–13 |
Zum Vergleich: Ein Hauptgericht in einem vergleichbaren Restaurant in Köln kostet 22–35 EUR. In Breslau: 14–28 EUR. Und die Qualität? Gleichauf, manchmal besser. Scheiße, ist das gut hier.