Frisch zubereitete polnische Frühstücksteller mit dampfenden Gerichten

Frühstück in Breslau

Ich hab auf meiner Restaurant-Seite geschrieben, dass Breslau keine große Brunch-Kultur hat. Stimmt auch. Aber kein Brunch ist nicht gleich kein Frühstück. Und nachdem ich jetzt fast zwei Jahre hier lebe, habe ich morgens meine Orte gefunden. Fünf, vielleicht sechs. Reicht mir.

Warum Breslau kein Brunch-Problem hat

Wenn du aus einer Stadt kommst, in der samstags um elf ein Avocado-Toast 16 EUR kostet und du trotzdem 40 Minuten wartest — Köln, Belgisches Viertel, ihr wisst Bescheid — dann klingt „keine Brunch-Kultur" erstmal wie ein Mangel. Ist es nicht.

Breslau hat etwas anderes: Cafés, die morgens richtig gutes Zeug machen, ohne ein Lifestyle-Konzept drumherum zu bauen. Keine Menü-Fotografie, keine DJ-Sets zum Eggs-Benedict-Sonntag, kein „Bottomless Prosecco ab 29,90". Stattdessen: gutes Brot, gute Eier, Kaffee, der nicht aus einer Kapsel kommt. Und Preise, bei denen ich jedes Mal kurz schlucke, weil ich mich immer noch an Kölner Preise gewöhnen muss.

Also nein, Melbourne ist das hier nicht. Aber Melbourne ist auch Melbourne, weil dort drei Millionen Leute ständig Avocado-Toast posten. Breslau ist Breslau. Und morgens um zehn in einem halbleeren Café mit einem 18-PLN-Croissant und einem Flat White zu sitzen — das ist für mich ehrlich gesagt besser.

dinette — Mein Sonntagsbrunch-Splurge

Über dinette als Restaurant habe ich schon geschrieben. Aber morgens ist dinette nochmal eine andere Sache. Die 50er-Jahre-Einrichtung — schwarzer Marmor, helles Holz, malachitgrüne Glaswände — sieht bei Tageslicht anders aus als abends. Ruhiger. Fast cineastisch.

Nina und ich waren im Januar an einem Sonntagvormittag da, draußen minus acht, drinnen Porridge mit karamellisierten Birnen und Zimt. Klingt simpel. War es auch. Aber so ein Porridge, bei dem du merkst, dass jemand die Birnen separat glasiert hat, dass die Haferflocken nicht einfach mit Wasser aufgekocht wurden — das mache ich zu Hause nicht. Will ich auch nicht. Dafür gehe ich hin.

Die Omeletts sind französisch-bistromäßig: Baveuse, also innen noch leicht cremig, mit Kräutern. Der Crab Toast — Krabben auf Sauerteig — ist der teuerste Frühstücksteller, den ich in Breslau kenne, und er ist es wert. 45 PLN, knapp 10,50 EUR. In Köln? Das wäre 22 EUR und kleiner.

dinette ist nicht mein Alltagsfrühstück. Michelin Recommended, also kein Schnäppchen, und am Wochenende solltet ihr reservieren. Aber wenn ihr euch ein Sonntagsfrühstück gönnen wollt, bei dem das Ei perfekt ist und der Kaffee von einer Specialty-Rösterei kommt — das hier.

Le Gosse

Wie ein Pariser Café, nur ohne Pariser Preise. Mega.

Le Gosse macht French Bistro ernst. Die Croissants sind buttrig und blättrig — nicht die halbgaren Teigdinger, die man in polnischen Bäckereien manchmal kriegt, sondern echte, laminiierte Croissants, die krümeln, wenn man reinbeißt. Ich war im November zum ersten Mal da, auf Empfehlung einer polnischen Kollegin, und hab seit dem bestimmt acht oder neun Mal dort gefrühstückt.

Was ich bestelle: Die Truffle Eggs. Rührei mit Trüffel auf getoastetem Brioche. 38 PLN, also knapp neun Euro. Das klingt nach einem normalen Preis, bis man realisiert, dass da echter Trüffel drauf ist, nicht Trüffelöl aus der Flasche. In Köln hab ich das mal bei Salon Schmitz bestellt — 19 EUR, und der Trüffel war sparsamer.

Nina nimmt meistens das Croque Madame. Auch immer gut. Und: Le Gosse hat morgens diese Stimmung, die ich schwer beschreiben kann. Französische Musik, Tageslicht durch große Fenster, der Geruch von frisch aufgebackenen Croissants. Es fühlt sich an, als wäre man kurz nicht in Polen. Ich mag das.

Rosa

Rosa hat Ende 2024 aufgemacht, und ich hab es erst im Februar 2025 entdeckt — also spät, für meine Verhältnisse. Nina hat es auf Instagram gesehen, so wie alle, und ich war skeptisch, weil Instagram-Restaurants oft besser aussehen als sie schmecken.

Falsch gelegen.

Rosa macht italienisch-inspiriertes Frühstück, und das Konzept ist: wenige Sachen, die richtig gut. Focaccia, hausgemacht, warm, mit Olivenöl, das nicht aus dem Supermarkt ist. Ricotta-Teller mit Honig und Pistazien. Und — echt jetzt — ein Champagner-Frühstück für 65 PLN (15 EUR), also ein Glas Crémant, Focaccia, Ricotta, Obst. In Köln wärst du bei 35 EUR für so was. Mindestens.

Das Interior ist hell, viel Weiß und warmes Holz, Pflanzen. Sieht aus wie ein Berliner Concept-Store, aber die Focaccia ist besser als alles, was ich in Berlin je hatte. Der Laden ist noch klein und relativ unbekannt — ich glaube, das ändert sich bald, also geht hin, bevor es voll wird.

Rosa ist mein aktueller Favorit, wenn ich morgens Lust auf was Besonderes habe, aber nicht dinette-Preise zahlen will. Die Focaccia allein — 22 PLN, fünf Euro — reicht als Frühstück.

Central Cafe und Helen Cafe — die soliden Optionen

Kurz und knapp: Central Cafe ist der sichere Hafen. Specialty Coffee, ordentliche Pancakes, Gebäck, alles sauber gemacht, nichts überragend. Ich gehe hin, wenn ich in der Nähe bin und keine Entscheidung treffen will. Frühstück mit Kaffee unter 30 PLN (7 EUR).

Helen Cafe hab ich erst 2025 gefunden, liegt in der Nähe vom Wasserturm. Gut für einen schnellen Flat White und ein Sandwich, wenn ich mit Laptop unterwegs bin und einen ruhigen Platz brauche. Aber kein Ort, über den ich einen Absatz mehr schreiben muss.

Sonntag mit Pączki

Dobra Pączkarnia am Rynek. Das ist kein Frühstückslokal, das ist eine Pączki-Manufaktur. Und Pączki sind polnische Donuts, aber „Donuts" ist eigentlich eine Beleidigung. Schwerer, dichter, mit Puderzucker, und die klassische Füllung ist Powidła Różane — Rosenmarmelade. Klingt verrückt. Schmeckt unglaublich.

Ihr könnt zuschauen, wie sie gemacht werden. Fenster zur Backstube, der ganze Laden riecht nach frittiertem Teig und Zucker. Zwei Pączki kosten 10–16 PLN (2,30–3,70 EUR), und das ist mein Sonntagmorgen-Ritual geworden: Pączki kaufen, auf eine Bank am Rynek setzen, Kaffee dazu aus der Thermosflasche, die ich von zu Hause mitnehme (ich bin nicht stolz drauf, aber ehrlich).

Für alle, die im Februar oder März kommen: Tłusty Czwartek — der Fette Donnerstag, Polens Antwort auf Weiberfastnacht, nur mit mehr Fett und weniger Kostümen. An dem Tag isst ganz Polen Pączki. Die Schlange bei Dobra Pączkarnia geht dann einmal um den Block. Letztes Jahr habe ich 45 Minuten gewartet. Hat sich gelohnt.

Und wo wir gerade bei Sonntagmorgen sind: Mleczarnia auf der Włodkowica — meine Stammbar für abends — macht am Wochenende auch Frühstück. Nichts Spektakuläres, aber solide Rühreier und guten Kaffee, und ihr sitzt in einem der schönsten Räume der Stadt. Kerzenlicht schon morgens. Die Locals brunchen hier, und es fühlt sich an wie das Wohnzimmer von Freunden.

Was kostet Frühstück in Breslau?

Die kurze Antwort: weniger als in jeder deutschen Stadt, die ich kenne. Hier die Zahlen, die ich in den letzten Monaten gesammelt habe — und daneben, was ihr in Köln zahlt.

PLN EUR In Köln
Kaffee + Croissant 18–25 4,20–5,80 7–9 EUR
Frühstücksteller (Eier, Toast, Extras) 30–45 7–10,50 12–18 EUR
Brunch mit Getränk 45–65 10,50–15 18–28 EUR
Pączki (2 Stück) 10–16 2,30–3,70

Also im Schnitt zahlt ihr hier die Hälfte. Manchmal ein Drittel. Und die Qualität? Mindestens gleichwertig, oft besser, weil die Läden hier nicht die Kölner Mieten reinrechnen müssen.

Mein typisches Wochenende sieht so aus: Samstag Le Gosse oder Rosa, Sonntag Pączki und ein langer Spaziergang am Fluss. Gesamtkosten für zwei Frühstücke: unter 30 EUR für zwei Personen. In Köln wäre das ein Frühstück für eine Person. Ich sage das nicht, um anzugeben — ich sage es, weil es stimmt und weil es der Grund ist, warum ich hier lebe und nicht mehr da.