Teller mit frischen Pierogi, dampfend serviert

Günstig essen in Breslau

In Köln kostet ein Mittagessen in der Kantine 9 EUR. In Breslau bekomme ich dafür eine komplette Mahlzeit mit Suppe, Hauptgang, Kompott und der befriedigenden Gewissheit, dass das Leben unfair verteilt ist — zu meinen Gunsten.

Das hier sind keine Orte, die ich empfehle, weil sie billig sind. Ich empfehle sie, weil sie gut sind und billig. Es gibt einen Unterschied.

Milchbars: Polens sozialistisches Erbe, das funktioniert

Milchbars (Bar Mleczny) sind staatlich subventionierte Kantinen aus der Volksrepublik. Linoleum, Tabletts, Selbstbedienung, Oma am Tresen. Es klingt furchtbar und schmeckt grandios. Die Subventionen gibt es heute noch — deswegen kostet ein komplettes Mittagessen 15–30 PLN (3,50–7 EUR).

Bar Mleczny Miś

Kuźnicza 48, direkt neben der Universität. Studenten, Rentner, Bauarbeiter, ich. An der Theke zeigst du auf das, was du willst, es wird auf den Teller geschaufelt, du zahlst an der Kasse. Żurek (säuerliche Roggensuppe) für 8 PLN. Kotlet schabowy (paniertes Schnitzel) mit Kartoffelpüree und Salat für 18 PLN. In Köln zahle ich für den Salat allein mehr.

Kein Ambiente, kein Service, kein WLAN-Passwort. Dafür: ehrliches Essen, das seit 40 Jahren gleich schmeckt. Im besten Sinne.

Bar Mleczny Mewa

Mehrere Standorte in Breslau. Berühmt für den Schabowy — der Schnitzel ist so groß wie der Teller, kein Witz. 15–22 PLN für eine volle Mahlzeit. Mewa ist etwas moderner als Miś, gleiche Qualität, gleiche Preise.

Straßenessen

Bistro Nadodrze — Knysza!

Seit über 20 Jahren im Stadtteil Nadodrze. Knysza ist Breslaus eigenes Street Food: ein gefülltes Brottäschchen, warm, herzhaft, für 12–15 PLN. Gibt es nur hier und in ein paar anderen Läden in Breslau, nirgendwo sonst in Polen. Dazu Zapiekanka (polnisches Baguette-Pizza-Ding, 10–18 PLN) und andere Snacks.

Nadodrze ist Breslaus aufstrebender Stadtteil — ehemals rau, jetzt am Gentrifizieren. Der Samstagsmarkt dort ist einen Besuch wert.

Dobra Pączkarnia

Mehrere Standorte, unter anderem am Rynek. Pączki — polnische Berliner/Krapfen — frisch gemacht, ihr könnt zusehen. Traditionelle Füllung: Rosenmarmelade (powidła różane). Ab 5 PLN pro Stück. Am Tłusty Czwartek (fetter Donnerstag, letzter Donnerstag vor der Fastenzeit) stehen die Schlangen ab 5 Uhr morgens. Im ganzen Land werden an dem Tag 100 Millionen Pączki gegessen. Hundert. Millionen.

Zapiekanka — wo?

Zapiekanka gibt es überall, aber gut: Bar Witek im Zentrum (12–20 PLN, großzügig belegt) oder Tostoria im Tunnel bei der Galeria Dominikańska (10–18 PLN, Klassiker). Die Dinger sind ein halber Meter langes Baguette mit Champignons, Käse und allem, was draufpasst. Sättigend, fettig, genau richtig nach zwei Gläsern Wein.

HALA Świebodzki — die Food Hall

Im alten Bahnhof Świebodzki: 20–30 Stände, Loft-Atmosphäre, Neonlicht, Sommerterrasse. Hier kriegt ihr alles — Ramen, Tacos, Dim Sum, Burger, vietnamesisch. 15–25 PLN pro Gericht. Qualität variiert zwischen „mega" und „okay", aber der Durchschnitt liegt deutlich über Food-Court-Niveau.

Perfekt für Gruppen, die sich nicht einigen können, was sie essen wollen. Jeder geht zu einem anderen Stand, alle setzen sich an denselben Tisch.

Was kostet ein Tag Essen in Breslau?

Mahlzeit PLN EUR In Köln
Frühstück (Café, Kaffee + Gebäck) 15–25 3,50–6 6–10 EUR
Mittagessen (Milchbar) 15–30 3,50–7 9–14 EUR
Nachmittags-Snack (Pączki, Zapiekanka) 5–20 1,20–4,70 4–8 EUR
Abendessen (gutes Restaurant) 60–120 14–28 25–45 EUR
Tagesbudget 95–195 22–46 44–77 EUR

Unter 50 EUR pro Tag könnt ihr in Breslau extrem gut essen — morgens Café, mittags Milchbar, abends ein Michelin-Recommended-Restaurant. In Köln reicht das für mittags und abends, wenn ihr Glück habt.