Markthallen in Breslau
Mein Samstagmorgen sieht seit einem Jahr gleich aus: Hala Targowa um neun, Kaffee unterwegs, Stoffbeutel voll mit Zeug, das ich nicht geplant hatte. Käse, Tomaten, ein Bund Dill, der so groß ist wie ein Blumenstrauß, und meistens ein Glas frisch gepresster Orangensaft an einem der Stände. Alles für 40 PLN.
Hala Targowa — die Markthalle
Gebaut 1908, Architekt Richard Plüddemann, Eisen und Glas. Die Hala Targowa ist so schön, dass sie ein Denkmal sein könnte — und gleichzeitig ein funktionierender Markt, auf dem seit über hundert Jahren Leute ihren Wocheneinkauf machen.
Was ihr hier findet: Frisches Obst und Gemüse (billiger als im Supermarkt), polnischen Käse (Oscypek, Bundz — geräuchert und ungeräuchert), Wurst und Schinken aus der Region, Brot, Honig, eingelegte Sachen. Dazu Targowa Craft Beer am Ende der Halle, falls der Einkauf zum Biertrinken wird.
Meine Routine: Erst zum Gemüsestand in der Mitte (die Frau dort hat die besten Tomaten, auch im Winter), dann zum Käsehändler links vom Eingang, dann Brot beim Stand mit dem grünen Schild. Kaffee gibt es draußen an einem Wagen, der keinen Namen hat, aber immer da steht.
Öffnungszeiten: Mo–Sa 8:00–18:30, Sonntag geschlossen. Samstag vor 10 Uhr ist am besten — voll, aber frisch.
Hinkommen: ul. Piaskowa, neben der Universität. Vom Rynek 10 Minuten zu Fuß.
HALA Świebodzki — die Food Hall
Im alten Bahnhof Świebodzki, Loft-Atmosphäre, Neonlicht, 20–30 Stände. HALA Świebodzki ist das Gegenmodell zur traditionellen Markthalle: trendy, international, laut, und samstags ziemlich voll.
Was es hier gibt: Ramen, Tacos, vietnamesisch, Dim Sum, Burger, indisch. 15–25 PLN pro Gericht. Die Qualität schwankt zwischen „mega" und „geht so", aber der Durchschnitt ist solide. Im Sommer gibt es eine große Außenfläche.
Gut für: Gruppen (jeder holt sich was anderes), schnelles Mittagessen, Leute, die keine Lust auf polnische Küche haben. Weniger gut für: Authentizität.
Nadodrze Bauernmarkt
Klein, authentisch, direkt von lokalen Bauern. In Nadodrze — Breslaus aufsteigendem Stadtteil, ehemals rau, jetzt am Gentrifizieren. Der Markt findet samstags statt, und er ist so klein, dass er in zehn Minuten durchgelaufen ist. Aber: Die Qualität ist hoch, die Preise fair, und die Atmosphäre ist „echtes Viertel" statt „Instagram-Markt".
Kombiniert den Marktbesuch mit einem Knysza bei Bistro Nadodrze (20+ Jahre, Breslaus eigenes Street Food) und einem Spaziergang durch den Stadtteil.
Was kaufen?
- Oscypek — geräucherter Schafskäse aus der Tatra. Auf dem Grill oder in der Pfanne, mit Preiselbeermarmelade. Ab 5 PLN pro Stück.
- Frischer Dill — in Polen ein Grundnahrungsmittel. Bunde so groß, dass sie in keinen Beutel passen. 3 PLN.
- Eingelegtes — Ogórki kiszone (Salzgurken), Kapusta kiszona (Sauerkraut). Im Glas oder lose.
- Honig — Akazie, Linde, Buchweizen. Direkt vom Imker. Ab 25 PLN pro Glas.
- Brot — Sauerteig, Vollkorn. Am besten am Samstag kaufen.