Beleuchtete Holzhütten und Weihnachtsdekoration auf dem Breslauer Rynek bei Nacht

Weihnachtsmarkt Breslau

Mein erster Breslauer Weihnachtsmarkt, Dezember 2024. Ich stand am Rynek, Grzaniec in der Hand, minus drei Grad, und Nina hat mich gefragt: „Vermisst du den Dom?" Ehrlich? Nein. Null. Ich hatte gerade für zwei Glühwein und einen gegrillten Oscypek zusammen 50 PLN bezahlt. Umgerechnet zwölf Euro. Am Dom zahlt ihr das für einen einzigen Glühwein, wenn ihr Glück habt. Das hier ist kein Markt-by-Markt-Rundgang mit Standnummern. Das hier ist: Was essen, was trinken, was skippen. Und wohin danach, wenn euch die Touristenmassen zu viel werden.

Was essen

Okay, Wichtigstes zuerst. Der Breslauer Weihnachtsmarkt ist kein Ort für schlechtes Essen. Klar, es gibt die üblichen Verdächtigen — Langos, die nach frittiertem Nichts schmecken, und irgendwelche „Flammlachs"-Stände, die überall gleich aussehen. Aber dazwischen: richtig gutes Zeug. Polnisches Zeug. Und das zu Preisen, bei denen ihr euren Kölnern zu Hause nichts erzählen dürft, weil die euch sonst hassen.

Oscypek vom Grill

Fangen wir mit dem Besten an. Oscypek ist geräucherter Schafskäse aus der Tatra, und auf dem Markt wird er auf dem Grill heiß gemacht, bis er außen knusprig ist und innen zäh-weich. Dazu Preiselbeermarmelade. Das ist der Moment, in dem ihr versteht, warum ich nicht nach Köln zurückgegangen bin.

8 bis 15 PLN pro Stück, also unter 3,50 EUR. Manche Stände schneiden ihn in Scheiben, andere geben euch ein halbes Stück auf einem Holzspieß. Beides gut. Die Stände weiter hinten Richtung Plac Solny sind meistens günstiger als die direkt vor dem Rathaus. Mehr über Oscypek und andere polnische Klassiker findet ihr in meinem Guide zur polnischen Küche.

Pierogi

Es gibt mehrere Pierogi-Stände auf dem Markt, und ja, die sind handgemacht. Nicht alle, aber die meisten. Ihr erkennt die guten daran, dass die Frauen dahinter sie live füllen und zudrücken. Wenn alles nur aus Gastro-Schalen kommt: weiterziehen.

Die Füllungen variieren — Ruskie (Kartoffel-Quark, Klassiker), mit Fleisch, mit Sauerkraut-Pilz (mein Favorit, weil Dezember), oder süß mit Heidelbeeren. Eine Portion mit fünf bis acht Stück kostet 15 bis 25 PLN (3,50 bis 5,80 EUR). Nina nimmt immer die mit Sauerkraut. Ich wechsle durch. Letztes Jahr hatte ein Stand welche mit Ente und getrockneter Pflaume — mega.

Kiełbasa

Grillwurst. Simpel. Wird hier auf einem riesigen Rost gemacht, nicht auf irgendeiner Warmhalteplatte wie am Kölner Alter Markt. Polnische Kiełbasa hat mehr Rauch und mehr Knoblauch als eine deutsche Bratwurst, und das Brot dazu ist ein weiches Brötchen, kein trockenes Aufbackding. 10 bis 15 PLN (2,30 bis 3,50 EUR). In Köln zahlt ihr für eine Bratwurst 4 bis 6 EUR, und die schmeckt nach Pappe.

Trdlo

Trdelnik, Baumstriezel, Schornsteinkuchen — egal wie ihr es nennt, das kommt eigentlich aus Tschechien und ist inzwischen auf jedem Weihnachtsmarkt zwischen Prag und Danzig. Ein Teig wird um einen Drehspieß gewickelt, über Kohle gebacken, mit Zucker und Zimt bestreut. Warm, süß, außen kross, innen weich.

Ich finde die Dinger honestly ein bisschen overhyped. Aber wenn ihr zum ersten Mal auf einem osteuropäischen Weihnachtsmarkt seid: einmal probieren. 12 bis 18 PLN (2,80 bis 4,20 EUR). Manche Stände füllen sie mit Nutella oder Eis — skippen, das ruiniert die Textur und ist nur für Instagram.

Was trinken

Jetzt wird's interessant.

Grzaniec — und warum Glühwein egal ist

Der Kölner Weihnachtsmarkt am Dom ist schön. Aber 8 EUR für einen Glühwein? In Breslau: 15 bis 20 PLN, also unter 5 EUR. Und der Oscypek ist besser als jede Bratwurst.

Aber es geht nicht nur um den Preis. Grzaniec ist anders. Die Basis ist meistens Met — Honigwein — nicht der Rotwein-mit-Zimt-Standard, den ihr aus Deutschland kennt. Das Ergebnis ist süßer, wärmer, voller. Es gibt auch weinbasierte Varianten (grzaniec galicyjski zum Beispiel), aber der klassische Met-Grzaniec ist das, was ihr zuerst trinken solltet. Das Zeug wärmt von innen, echt jetzt.

Bestellt euren ersten am Stand, schmeckt den Unterschied zu eurem gewohnten Glühwein. Danach wisst ihr.

Piwo grzane

Warmes Bier. Ja, das ist eine Sache. In Polen schon seit Ewigkeiten. Dunkles Bier, erhitzt mit Nelken, Zimt und Honig. Klingt seltsam, schmeckt wie ein warmer Kakao mit Alkohol, der sich für Malzigkeit entschieden hat. Nicht mein Lieblingsgetränk, aber an einem richtig kalten Abend bei minus acht — okay, dann funktioniert das.

Manche Stände machen das auf Bestellung frisch, manche halten es warm in Thermobehältern. Frisch ist besser. Kostet ungefähr so viel wie Grzaniec.

Heiße Schokolade

Für die Nicht-Alkohol-Fraktion oder wenn ihr schon drei Grzaniec hattet und die Beine langsam weich werden: heiße Schokolade gibt es an diversen Ständen. Qualität schwankt. Die besseren nehmen echte Schokolade, nicht Pulver. Fragt nach „czekolada pitna" — trinkbare Schokolade. Die ist dicker, intensiver, und meistens einen Stand weiter als der günstigste.

Was skippen

Jetzt der Teil, für den mich manche hassen werden.

Die Stände direkt vor dem Rathaus. Die ersten zwei Reihen am Rynek, direkt um das Rathaus herum — die sind am teuersten und am generischsten. Das ist die Touristenfalle. Hier zahlt ihr 25 PLN für einen Grzaniec, der an anderen Ständen 15 kostet. Lauft einfach fünfzig Meter weiter Richtung Plac Solny oder in die Seitenstraßen. Gleiche Ware, weniger Aufschlag.

„Internationale Küche"-Stände. Ich weiß nicht, wer auf dem Breslauer Weihnachtsmarkt griechischen Gyros oder mexikanische Burritos braucht. Ihr seid in Polen. Esst polnisch. Die internationalen Stände sind fast immer Fertigware, die aufgewärmt wird. Traurig.

Alles, was aus der Fabrik kommt. Wenn ein Stand zehn verschiedene Sachen anbietet und alles in identischen Plastikschalen liegt: das ist keine Handarbeit. Weiterziehen. Die echten Pierogi-Frauen haben drei Sorten und eine Schlange. So funktioniert das.

Der Lebkuchen. Kontroverse Meinung: Der polnische Weihnachtsmarkt-Lebkuchen ist meistens nicht gut. Hart, überzuckert, nur Deko. Wenn ihr guten Lebkuchen wollt, geht in eine Bäckerei in der Stadt. Am Marktstand zahlt ihr für hübsch bemalten Karton mit Zuckerguss.

Wohin danach

Samstagabend, 19 Uhr, der Markt ist so voll, dass ihr euch nicht mehr bewegen könnt. Ihr hattet euren Grzaniec, eure Pierogi, und jetzt wollt ihr sitzen. Warm sitzen. Mit einem Glas Wein.

Weinbar zum Aufwärmen

Meine erste Wahl: Winnica na Solnym (Plac Solny 16). Buchstäblich hundert Meter vom Markt, direkt am Plac Solny. Ihr geht rein, setzt euch, bestellt ein Glas Naturwein, und die Welt ist wieder in Ordnung. Die haben eine richtig gute Weinkarte, gemütlich, kein Touristenlokal. Und im Dezember ist die Stimmung dort besonders schön — Kerzenlicht, beschlagene Fenster, draußen der Markt.

Oder: Zbawcy Win auf der Włodkowica. Meine Stammbar, ihr kennt sie aus meinem Weinbar-Guide. Etwas weiter vom Markt, zehn Minuten zu Fuß, aber dafür im besten Viertel der Stadt. Nina und ich sind letzten Dezember nach dem Markt dahin, haben eine Flasche Côtes du Rhône aufgemacht und bis Mitternacht dagesessen. Das war einer unserer besten Abende in Breslau.

Richtig essen gehen

Wenn der Oscypek und die Pierogi eher Snack waren und ihr jetzt ein richtiges Abendessen wollt: Bucht vorher. Im Dezember sind die guten Restaurants am Wochenende voll. Pijalni (Ofiar Oświęcimskich 17) macht saisonale Küche, die im Winter besonders stark ist — Wurzelgemüse, langsam gegart, Winterweine. Oder BABA am Rynek, wenn ihr etwas Schnelles und Gutes wollt.

Laternenanzünder

Ein Tipp, den die meisten Marktbesucher verpassen: Breslaus Laternenanzünder. Jeden Abend bei Einbruch der Dunkelheit zündet ein Mann in historischer Uniform die Gaslaternen auf der Dominsel (Ostrów Tumski) an. Im Dezember ist das Ganze nochmal eine andere Dimension — die Kathedrale im Hintergrund, Schnee auf den Dächern, Weihnachtsbeleuchtung über den Brücken. Wenn ihr schon beim Markt seid und eine romantische Ergänzung sucht: Das ist euer Programm. Mehr dazu in meinem Date-Night-Guide.

Was kostet der Weihnachtsmarkt?

Hier die ehrliche Rechnung. Was ihr auf dem Breslauer Markt zahlt — und was das Gleiche in Köln kosten würde.

PLN EUR Kölner Weihnachtsmarkt
Grzaniec (Glühwein/Met) 15–20 3,50–4,70 5–8 EUR
Oscypek vom Grill 8–15 1,90–3,50
Pierogi (Portion) 15–25 3,50–5,80
Trdlo 12–18 2,80–4,20 5–7 EUR
Kiełbasa 10–15 2,30–3,50 4–6 EUR (Bratwurst)

Nina und ich haben an unserem ersten Marktabend zu zweit ungefähr 120 PLN ausgegeben — das sind 28 EUR. Wir hatten: zwei Grzaniec, einen Oscypek zusammen, eine Portion Pierogi, eine Kiełbasa und eine heiße Schokolade. Versucht das mal am Kölner Dom. Da seid ihr bei 60 EUR, bevor ihr den zweiten Glühwein bestellt habt.

Praktisches

Wann hin?

Unter der Woche abends. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag zwischen 17 und 20 Uhr — das ist die goldene Zeit. Ihr kriegt alles, was der Markt bietet, aber ohne die Masse vom Wochenende. Samstagmittag ist die Hölle. Wirklich. Nina und ich haben das einmal probiert und sind nach zwanzig Minuten wieder abgehauen. Zu voll, zu laut, zu viele Selfie-Sticks.

Sonntags ist es etwas besser als Samstag, besonders am späten Nachmittag. Aber unter der Woche schlägt alles.

Wie lange dauert der Markt?

Der Breslauer Weihnachtsmarkt läuft ungefähr von Mitte November bis Silvester. Genaue Daten wechseln jedes Jahr — checkt die offizielle Website der Stadt (jarmarkbozonarodzeniowy.com) im Oktober, wenn sie die Termine veröffentlichen. Die letzten zwei, drei Tage vor Silvester sind meistens schon im Abwind — viele Stände machen früher zu.

Was anziehen?

Breslau im Dezember: zwischen minus fünf und plus drei Grad. Manchmal kälter. Die Oder zieht feuchte Kälte rein, die durch alles durchgeht. Mein Setup nach einem Winter hier: Thermounterwäsche unter der Jeans. Langer Mantel, nicht die dünne Jacke. Mütze, Handschuhe, Schal — klingt banal, aber ihr steht draußen, es weht, und der Grzaniec wärmt nur von innen.

Schuhe: warm und wasserdicht. Nicht die weißen Sneaker. Es wird nass, es wird matschig, es wird kalt. Ich habe das beim ersten Mal falsch gemacht und hatte nach einer Stunde keine Zehen mehr.

Plac Solny — die ruhige Alternative

Direkt neben dem Rynek, eine Querstraße weiter, liegt der Plac Solny (Salzmarkt). Dort gibt es einen kleineren, ruhigeren Weihnachtsmarkt mit weniger Ständen, aber auch weniger Gedränge. Tagsüber verkaufen hier normalerweise die Blumenhändler — im Dezember kommen Weihnachtsstände dazu. Die Atmosphäre ist entspannter, die Preise ähnlich, und ihr seid fünf Gehminuten von Winnica na Solnym entfernt, wenn ihr danach in die Weinbar wollt.

Mein Tipp: Startet auf dem Plac Solny, wenn ihr keine Menschenmassen mögt. Holt euch dort den ersten Grzaniec. Dann rüber zum Rynek für die volle Marktdröhnung. Und wenn es zu viel wird: zurück zum Solny oder ab in eine Weinbar.

Ein Wochenendtrip nach Breslau im Dezember lohnt sich allein wegen des Marktes. Freitagabend ankommen, Samstag tagsüber die Stadt erkunden, Samstagabend zum Markt (spätabends, wenn die Massen abziehen), Sonntag brunch und Dominsel. 48 Stunden, unter 200 EUR inklusive Flug. Das kriegt ihr für einen Abend am Kölner Dom.